5./6. Dezember 2025. Reggio Calabria - Basel
Ein abschliessender Eintrag.
Die Rückreise von Reggio Calabria über Mailand nach Basel verlief (fast) reibungslos.
Den 5. Dezember verbrachten Albrecht und ich gemütlich auf dem wunderschönen Camping Agriturismo Rudi in der süditalienischen Sonne. Ich räumte auf und packte meine sieben Sachen (wobei ich das Stativ und das grosse 150-600mm-Objektiv im Köcher im Land Rover liess), kaufte im lokalen Supermercato meinen Reiseproviant und etwas Nachschub für die Kaffe- und die Lebensmittelbox ein und machte etwas Klar Schiff.
Und wir liessen die vergangenen 5 gemeinsamen Wochen etwas Revue passieren und genossen die Ruhe.
Albrecht zeigte dem interessierten Mitcamper, der mit seiner Familie vor der Einschulung des Sohnes eine Auszeit in Südeuropa geniesst, seinen Land Rover und wir simpelten ein wenig fach über Reisemobile, Reiseerfahrungen und das Leben im Allgemeinen.
Gegen Abend hat mich Albrecht dann an den Bahnhof in Reggio Calabria gefahren und wir haben uns verabschiedet. Da ich etwas zu früh war, konnte ich die Situation in Ruhe abchecken, meinen viel zu schweren Rucksack neben mir an einer Bank deponieren und ein wenig dem Treiben auf dem Bahnhof zuschauen. Wie wohl überall sammelt sich dort ein Teil der Randständigen und palavert, streitet und bettelt. Durch bewusstes Ignorieren und passives Studieren der Geschehnisse konnte ich vermeiden, verwickelt zu werden.
Der Zug, den ich kurz vor der Abfahrt bestieg und der pünktlich wie eine Schweizer Uhr los fuhr, war fast leer und füllte sich erst an den zwei folgenden Zwischenstopps. Die Sitze im Freccia Rossa, dem schnellen Fernreisezug der Italienischen Staatsbahnen TrenItalia waren sehr bequem - in der Vierergruppe kommt aber mit der Zeit schon etwas Bewegunsunfreiheit auf. Dank des schmalen, mittig stehenden, Tischs, den man individuell aufklappen kann, ist zusätzlich zur aufrecht sitzenden Schlafposition auch eine nach vorn gebeugte möglich, was bei mir dank des dicken, 33 Jahre alten Patagonia-Fleece-Pullovers von der Hochzeitsreise nach Kanada sehr bequem war.
Die über 900 km Fahrt nach Mailand über Nacht verlief gut - aber wir kamen mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung erst um 10 Uhr an, so dass ich den gebuchten Anschlusszug nach Basel mit Umsteigestopp in Zürich nicht erreichte. Der Direktzug nach Basel, den ich mir herausgesucht hatte, fuhr etwa 10 Perrons nebenan und ich musste die lange Strecke im Kopfbahnhof mit über 25 kg Gepäck rennen, weil mein Wagen in beiden Zügen gute 300 m von der Halle entfernt lagen.
Da es mir nicht gereicht hatte, einen Platz zu reservieren, war ich heilfroh, einen nicht reservierten Platz zu finden. Nach weiteren 5 Stunden Fahrt, der Bezahlung eines Aufschlags für die etwas andere Streckenführung (mir leuchtete es ein, dass ich als Basler draufzahlen muss, um nicht über Zürich fahren zu müssen) und einer weiteren, für schweizerische Verhältnisse erheblichen Verspätung von 15 Minuten wegen ein paar Rampassen auf der Strecke bei Liestal, kam ich am Bahnhof SBB in Basel an. Dort wartete wider Erwarten Susanne oben auf der Passerelle - sie hatte angekündigt, wegen Überlastung infolge Grättimaa-Backens mich nicht abholen kommen zu können, was in mir wegen des schweren Gepäcks und des weiten Wegs von der Tramstation zu meinem Haus einen mittleren Grad Grummligkeit erzeugte - und ich war zwar positiv überrascht, konnte meiner Freude aber nicht wirklich Ausdruck geben.
Den letzten Rest des Heimwegs betätigte ich mit uberischer Unterstützung und musste als erstes feststellen, dass das Fernstarten meines Pelletofens missglückt war. In der Wohnung herrschte trotz relativ warmer Temperaturen draussen (ich hatte mich auf bedeutend kältere Winterverhältnisse eingestellt und mich entsprechend mit langer Funktionswäsche auf die Arktis vorbereitet) eine unwohnliche Temperatur von etwa 11°C. Ich zögerte nicht und heizte sogleich mit Holzscheiten ein, was innert anderthalb Stunden eine angenehme Wärme in der ganzen Wohnung erzeugte. So konnte ich, nachdem ich, immer noch eingepackt in die Polar-Klamotten, Rucksack auspacken und alles versorgen, resp. in die Wäschekiste werfen und eine heisse Dusche nehmen.
Jetzt war bereits Zeit, mich auf's Fahrrad zu schwingen und zu Susanne zu fahren, denn sie hatte zum üppigen Grättimaa-Essen mit Freunden eingeladen. Großartig, was da alles auf dem Tisch stand! Neben den individuellen Grättimännern gab es Lachs, Krawattencocktail, Datteln, Mandarinen, Erdnüsse sowie Sösschen, Butter salzig und süss und viel anderes - und natürlich den berühmten Original-Gaggo ohne Schlämpe und mit wenig Zucker (dafür hatten die Grättimänner individuell zünftig Zuckerstreusel...ich hatte besonders viele....bin ja auch so ein Süsser ;) )
So war das Heimkommen besonders erfreulich und ich genoss den Abend in Gesellschaft lieber Freunde in vollen Zügen. Die Nacht in meinem grossen Bett war wundervoll.
Es wird erfahrungsgemäss noch ein paar Tage dauern, bis sich bei mir die Erinnerungen an die Reise einstellen - die kommen meist dann geballt und vielfältig, wenn ich so richtig zu Hause angekommen bin und mich in der Heimat wider eingelebt habe. Darauf freue ich mich!
Ich möchte mich herzlich bei Albrecht bedanken, dass er mich angefragt hat, ob ich mit auf das Abenteuer Tunesien kommen möchte! Wir haben eine spannende und interessante Zeit auf über 4500 km Fahrt verbracht, haben viel gesehen und erlebt, haben uns manchmal durchgeschlagen und kleinere Schwierigkeiten mit Leichtigkeit überwunden - eine Reise, die in mir die Lust auf's Reisen wieder entfacht hat...auch wenn ich im Moment keine Ahnung habe, wohin es noch gehen könnte und vorläufig auch weder direkte Lust noch ein konkretes Zeitfenster vorhanden sind.
Danke auch den vielen Menschen in Tunesien, die uns mit ihrer freundlichen und unkomplizierten Art unterstützt und geholfen haben - sowie den lieben Freunden zu Hause für ihre Tipps, die Unterstützung und die Liebe. Danke, Danke, Danke!
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