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Mittwoch, 3. Dezember 2025

3. Dezember 2025. Selinunte - Agrigento - Tofanello 3. Dezember 2025


Das Aufwachen war heute fast geräuschlos, denn unser Standplatz auf dem Camping Helios in der Gemeinde Triscina (Gemeindekonsortium Trapani) ist weit weg von Verkehr und liegt etwas abseits der grossen Routen. Statt Hupen haben wir heute nur das Tosen des vergleichsweise recht bewegten Meeres. Und die Sonne schien satt, so dass nicht einmal eine Wollmütze angesagt war. Die Cornetti und das Brot, das wir am Vorabend beim Campingplatzbetreiber bestellt hatten, paste perfekt zum Kaffee.



Da wir weit im Südwesten Siziliens sind und ich am Freitag auf dem Festland in Reggio di Calabria den Zug nach Basel besteigen werde, müssen wir uns die Zeit gut einteilen und Prioritäten setzen.

Das heisst, wir dürfen am Morgen nicht zu lange trödeln und werden von den sehr guten Empfehlungen meines Bruders Andres leider nur wenige wirklich besuchen können. Unsere Route führte und wenn immer möglich so nah wie möglich der Küste entlang.




Das heutige Highlight war die Tempelanlage Selinunte, der westlichsten griechischen Polis (Stadt) auf Sizilien. Gegründet um 650 v. Chr. war Selinous, wie es die Griechen nannten, für über 400 Jahre eine reiche Stadt, weil sie in einer Ebene liegt, die fruchtbare Böden hat und wo ein besonders guter Weizen wuchs. Die Tempel, die vom Reichtum de Stadt zeugen, gehören zu den bedeutendsten in Sizilien . 



Der Fluss Selinus, der aus nördlichen Richtung hier ins Meer mündet, war die Lebensader der Stadt. An seinen Ufern wuchs viel wilder Sellerie, der dem Fluss und der Stadt ihren Namen gab. 

kein Sellerie, aber carnivor


Die Stadt stand zu ihrer Blütezeit in Konkurrenz zur 40 km Luftlinie nördlich gelegenen Einheimischen-Stadt Segesta. Um sich gegen sie zu schützen, verbündete sich Selinunte mit Karthago und war auf dessen Seite im Jahr 480 v.Chr. als einzige griechische Stadt in der Schlacht bei Himera in Nordsizilien dabei. Nach dem Sieg wurde das Bündnis scheinbar aufgelöst und der Streit eskalierte, sodass Athen eingriff, wobei Selinunte von Sparta unterstützt wurde. Nachdem die Expedition Athens gescheitert war, verwüstete Selinunte 413 v.Chr. die Stadt Segesta, worauf Karthago unter Hannibal seinerseits 409 v.Chr. Selinunte nach einem Krieg mit 16’000 Toten und 5000 Gefangenen zerstörte. 

Tempel E, Hera gewidmet


Die Karthager (Punier) bauten die Stadt nach ihren planen wieder auf und lebten dort bis im ersten Punischen Krieg 250 v.Chr. die Punier abzogen und die Römer die Stadt zerstörten. Damit endete die Geschichte Selinuntes. Es gab danach wieder eine Bewohnung auf sehr einfachem Niveau.



Einige Wissenschaftler vermuten, dass die südsizilianischen Städte nach einem unterseeischen Erdbeben in der Strasse von Sizilien von einem gewaltigen Tsunami zerstört und unbewohnbar wurden. Erdbeben vollendeten in de rFolge wahrscheinlich die Zerstörungen, worauf die Stadt in Vergessenheit geriet.



Erst anfangs 19. Jahrhundert entdeckten englische und französische Archäologen die Trümmer und begannen, sie freizulegen. Es wurden auch Anstrengungen unternommen, die riesigen Steinelemente so zu kombinieren, dass die Gebäude rekonstruiert werden sollten/konnten.



Der grosszügige Parkplatz und das moderne Eingangsgebäude lassen vermuten, dass in der Hochsaison hier Tausende BesucherInnen pro Tag das riesige Gelände mit einer bedeutenden griechischen Tempelanlage besuchen. Wir trafen heute nur gerade fünf an.

Tempel E (Hera) von der Akropolis aus gesehen

Wir kauften Tickets für stolze 25 € pro Person. Der Preis erschreckte mich zuerst, denn es war der höchste Eintrittspreis auf unserer Reise. Da für die Bewältigung der grossen Strecken ein Shuttlebus in Form eines Golf-Mobils zur Verfügung steht, haben wir so eines mitgebracht, vor allem um Albrechts lädierte Hüfte zu schonen.



Kommt man aus dem Besucherzentrum auf das Gelände, fällt zuallererst der imposante Tempel E, der der Göttin Hera gewidmet war. Dieser steht zu einem großen Teil rekonstruiert auf einem sanften Hügel und wurde bei unserem Besuch von der alles in schönes Licht tauchenden Sonne perfekt beleuchtet.

Grössenverhältnisse: Durchmesser der Säule ca. 2 m


Die Tempel und Gebäude sind hier alphabetisch durchnummeriert. Tempel E wurde in den Fünfziger Jahren rekonstruiert, die Rekonstruktion ist aber unter Wissenschaftlern umstritten. Schaut man sich die einzelnen Teile der Säulen an, kommt automatisch die frage auf, wie solche riesige Steinblöcke aus dem Feld geschlagen, transportiert und auf einander gesetzt werden konnten.



Neben dem rekonstruierten Hera-Tempel Ligen die Trümmer des grössten griechischen Tempels auf Sizilien, der wohl Zeus gewidmet war. Die Säulenstücke fort haben einen Durchmesser von mehr als 2 Metern.Die Trümmer liegen kreuz und quer.



Im Park findet im Moment grad eine Skulturen-Ausstellung statt, deren Exponate von Künstlern gestaltete Tiere zum Thema Ausrottung darstellen. Nach Besichtigung er vorderen Tempel liessen wir uns mit einem Golf-Mobil zur Akropolis chauffieren und schauten dann die Akropolis an. Hier sind die Resten der punischen Bauten relativ gut sichtbar. 



Alles in allem ist es eine sehr eindrückliche und grosse Anlage, die sehr gut präsentiert und aufbereitet ist. 



Der Blick aufs Meer mit den schönen kleinen Wellen liess mich ans Surfen denken und auch daran, dass es den Bewohnern der Stadt hier bestimmt gut gefallen hat. Die Tempelanlage auf einem Hügel am Meer ist wunderbar gelegen.






Nun ging es auf die Strasse und wir frassen Kilometer. Die Fahrt führte uns durch das fruchtbare Land, wo heute Olivenbäume, Reben und Orangen- und Zitronenbäume angebaut werden. Das Licht war grossartig, nur sass ich auf der Beifahrerseite der Sonne zugewandt, was sich leider in vielen Gegenlichtaufnahmen auswirkte, die längst nicht die wahre Farbenpracht der Landschaft wiedergeben können.



Bei Agrigento fuhren wir nahe an den dort liegenden Templanalgen vorbei und ich konnte ein paar gute Fotos aus dem fahrenden R^Fahrzeug schiessen. Diese ebenfalls grossartige Stätte liessen wir aber - buchstäblich - links liegen, um möglichst weit zu kommen. 




Kurz nach Agrigento veränderte sich die Landschaft drastisch. Hier stehen unzählige Gewächshäuser für den Anbau von Tomaten, Peperoni, Zucchetti und anderem Gemüse. Die Gegend sieht teilweise aus, wie wenn Alberto Burri hier ebenfalls eine aus Gibellina bekannte Betonskultur gegossen hätte. Der Gegensatz zu den traditionellen Hainen mit Reben, Oliven- und Obstbäumen ist frappant.

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Bei Tofanello fanden wir einen Stellplatz für Camper, der zwar benutzbar, aber komplett verlassen war. Dort kamen wir gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang an und stellten wir unser Fahrzeug auf einer Terrasse etwa 50 Meter vom Meer ab. Auch hier werden wir vom Rauschen der Wellen geweckt werden.







Das einfache Abendessen aus Spaghetti mit Tomaten-Thon-Sauce, unserem Standard auf dieser Reise, kochten wir auf einem Petromax Raketenofen, der mit sehr wenig Holz auskommt, das wir am Strand fanden.   














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