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Montag, 10. November 2025

10. November 2025. Tataouine - Djerba 


Der menschliche Körper ist wirklich ein erstaunlicher Organismus!
Das Abendessen gestern ist mir gar nicht gut bekommen. Nachdem es bis etwa 30 Minuten nach dem Einsbettgehen sehr gut aussah, stellte sich zuerst ein seltsames Gefühl in der Magengegend ein, das bald zur Gewissheit wurde: das war etwas nicht gut am Essen. Es reichte mir punktgenau bis auf die Toilette des Hotels, auf dessen Caravan-Stellplatz wir nächtigten und ich entleerte mich vor- und rückwärts der meisten Ingredienzen des Tellers. Das ging die ganze Nacht über noch mehrmals so, bis überhaupt nichts mehr kam. Logischerweise hatte ich keine gute Nacht, aber nach einem etwas flauschigen Gefühl heute Vormittag ging es mir ab Mittag wieder so gut, das ich von «Normalzustand» reden kann.


Aber zu Erfreulicherem!


Der ersten Teil der heutigen Route war der Schlenker südlich von Tataouine, den wir eigentlich gestern noch hatten machen wollen. Dafür reichte es nicht, also fuhren wir heute einer echten Sensation entgegen.



Von Tataouine fuhren wir über Maztouria zum rund 20 km südlich gelegenen Ksar Ouled Soltane. Das ist eine der unzähligen Speicherstädte, aber eine ganz spezielle. Sie wurde zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gebaut und erweitert und erst in neuster Zeit komplett renoviert und ist heute eine der schönsten und am besten erhaltenen Anlagen dieser Art in Tunesien. Es wird von Einheimischen aber auch in Reiseführern kolportiert, dass hier Teile der Star Wars-Filme gedreht worden seien. Scheinbar ist dem aber nicht so. Als ich in dem Innenhof stand, meinte ich jedoch, in einen dieser Filme versetzt worden zu sein, obwohl ich kein grosser Fan dieser SiFi-Produktionen bin.




Es ist ein ummauertes Gelände mit zwei Höfen und rund 400 Speicherkammern auf bis zu drei Stockwerken, die ursprünglich über einfache Holzleitern aus eingekerbten Palmstämmen erreichbar waren. Mit der Zeit wurden zu vielen Kammern Treppen gebaut. Das Baumaterial ist durchweg Stampflehm, eine Technik, die die halbnomadisch lebenden Berber-Familien scheinbar von Völkern aus dem Yemen übernommen hatten. In den Kammern wurden einerseits Lebensmittel (Öl, Datteln, getrocknete Linsen und Bohnen, Getreide, usw.) wie auch Habseligkeiten wie Haushalts- und Arbeitsgeräte sowie Waffen aufbewahrt.




Wir hatten Glück, dass der Ort nicht von Touristen überlaufen war und ich musste nur abwarten bis eine selfiegeile französische Rentnergruppe ihrer Passion nachgegangen war und sich aus den sehr fotogenen Ansichten entfernt hatte.




Der Weg zurück nach Tataouine führte uns an der Ostflanke des Nahar-Gebirges über Al Karashiwah und Gattouffa teilweise auf schönen Bergpisten zurück Richtung Tataouine, das wir links liegen liessen, um gen Osten weiter zu fahren.



Das nächste Ziel war eine als «Mondlandschaft» (geht ja nicht, wir sind auf der Erde, aber nach dem Mars in der Sahara lasse ich das jetzt gelten) bezeichnete Gegend mit einer Senke, wo das verdunstende Wasser eine weisse Salzschicht an der Oberfläche zurück lässt. Wir sagen dem gerne «Salzsee», was es natürlich nicht ist. Sieht aber so aus.




Dieser Ort heisst Ain Charchara. Wir fanden zwar nicht genau diesen Punkt, weil wir navigationsmässig nicht wirklich gut ausgerüstet sind und uns mit GoogleMaps herumschlagen müssen. Wir verliessen uns auf den Reiseführer (in Papierform, 35 Franken, ja, das gibt es noch), der leider den Zugang von der falschen Ortschaft angibt und wir somit die falsche Piste genommen haben. Es war trotzdem eine fast ausserirdische Landschaft, die sich uns darbot und wir hatten vor allem an einer Stelle riesigen Spass. Wir folgten grundsätzlich auf der Piste, die oft mehr als eine Spur hatte, derjenigen, die am befahrendsten aussah und so Gewähr bot, nicht im Schlamm einzusinken oder gar stecken zu bleiben. Einmal wurde Albrecht aber ein wenig übermütig und bretterte mit satter Geschwindigkeit geradeaus über einen feucht aussehenden Fleck, statt die trockene Ausweichspur zu nehmen. Fluch machte es und die ganze Front des Landy war mit Schlick überzogen. Die Windschutzscheibe war komplett zugeschlammt und der Scheibenwischer kämpfte sich mit Spülwassereinsatz durch den auf ihr lagernden Schlamm. Wir freuten uns wie kleine Jungs, die eben einen Kessel Wasser in den Sandkasten geleert hatten und sich nun darin suhlten.





Die paar Menschen im Dorf, die uns bereits beim Abzweigen Richtung Senke mit erstauntem Blick beobachteten, müssen sich sicher gewesen sein, das wir komplett meschugge seien.


Aber Land Rover fühlen sich in ihrem natürlichen Habitat am wohlsten, wenn sie auch ordentlich dreckig sind.


Der weitere Weg über Ben Gardane leitete uns an die Ostküste. Unser Ziel war die Insel Djerba, die von dort nur noch rund 100 km entfernt war. Diese Insel war laut Homer die Heimat der Lotophagen, die die Gefährten des Odysseus mit den berauschenden Früchten des Lotosbaums verpflegten, so dass der griechische Held sie zurück auf sein Schiff prügeln musste, weil sie so zugedröhnt waren.

Am Meer!


Auf dem Weg nach Djerba wollten wir etwas Bier kaufen, denn unser tägliches Feierabendbier (normalerweise im Café Flore in Basel) fehlt ein wenig. Es ist aber gar nicht so einfach, in Tunesien Alkohol zu kaufen. Albrecht fand aber den einzigen Laden weit und breit, der solchen verkauft. Hinter einer hohen Mauer, gesichert mit Stacheldraht und mit einem massiven Tor ausgerüstet liegt in einem Hof der Laden, der unmissverständlich als «Booze-Shop» erkennbar ist. Die Kunden sind - ausser uns - ausschliesslich Tunesier, die alle mit vollen Händen die Flaschen in den Kofferraum ihrer teilweise arg abgewrackten Autos laden. Innen ist der nur für Erwachsene zugängliche Laden mit Gittern gesichert und man muss seinen Ausweis zeigen wenn man nicht so alt aussieht wie wir.


Olivenhain kurz vor dem Damm


Nach diesem erfolgreichen Kauf fuhren wir dem südlichen Zugang zu  Djerba entgegen, der die Insel über einen Damm erschliesst. Dieser Damm wurde von den Römern erbaut, es wird sogar vermutet, dass bereits in punischer Zeit ein Damm bestand. Im Jahr 1551, als Trugst Reis, der Bey von Tripolis, mit den Spaniern kriegerische Auseinandersetzungen hatte, wurde der Damm teilweise eingerissen, um den Zugang zur Insel zu erschweren. Später wurde er vom Meer überspült und erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.



Heute Nacht schlafen wir wild an einer lauschigen kleinen Landzunge, wo Fischer ihre Boote liegen haben und wo wir keine 10 Meter von der sanften Brandung entfernt einen wunderbaren Platz auf ausgewaschenen Sandsteinfelsen belegt haben.







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