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Dienstag, 11. November 2025

11. November 2025. Djerba - Fadhloun Moschee - Houmt Souk

Heute weckten uns die Fischer, die frühmorgens die ausgelegten Köder mit den daran hängenden Okotpussen und anderes Meeresgetier einholten. Ein reges Kommen und Gehen, gelegentliches Palavern und die Geräusche von Motoren zeugten von der geschäftigen Betriebsamkeit an der sonst nicht stark frequentierten Landspitze. Langsam schälten wir uns aus dem hoch über dem Grund gelegenen Schlafplatz und Albrecht braute den ersten Kaffee. Da der Strand an der Ostküste lag, Konten wir die wärmenden Sonnenstrahlen geniessen, denn es war so früh noch recht kühl.


Das Tagesprogramm auf der kleinen Insel (etwa halb so gross wie die Nordseeinsel Rügen, etwa 125 km Küstenlinie) war nicht sehr schwierig auszubaldowern. Dazu gehört jeweils auch das möglichst genaue erstellen einer Route in der Karten-App, mit der ich uns durch den moderaten Verkehr lotsen kann. Vor der Abfahrt wusch ich Scheinwerfer, Blinker und Positionslichter vom Schmutz der gestrigen Schlamm-Partie frei.

Die Scheinwerfer sind sauber


Eine Eigenheit Tunesiens sind die vielen kleinen «Tankstellen», die vornehmlich von Motorrädern und Rollern frequentiert werden. Sie zeichnen sich durch plakativ ausgestellte, mit Treibstoff gefüllte Kunststoffflaschen sowie durch die überall gleichen Trichter aus grossen Petflaschen, die mit einem als Filter dienenden Lappen und einem langem Gummirohr zum Befüllen der Tanks ausgerüstet sind.

Tankstelle



Zuerst stand die Fadhloun Moschee in der Nähe von Midoun auf dem Programm. 



Es gibt auf Djerba mehr als 300 Moscheen. Die meisten sind verhältnismässig klein. Die Fadhloun Moschee wurde im 14. Jahrhundert von Ibaditen erbaut. Die Mitglieder dieser islamischen Sondergemeinschaft flohen im 8. Jahrhundert vor den Sunniten nach Djerba.



Djerba hat eine bewegte Geschichte und war schon immer Zufluchtsort für Vertriebene und Verfolgte. Die Herrschaftsverhältnisse änderten sich oft. Es würde zu weit führen, die bewegte Geschichte dieser Insel hier erzählen zu wollen - ich empfehle jedoch der geneigten Leserschaft sich diesbezüglich zu informieren.



Diese Moschee war neben ihrer Funktion als Gotteshaus und Koranschule vor allem auch Zufluchtsort und Wehrburg. Das kleine Minarett diente nicht dem Zweck, Gläubige zum Gebet zu rufen, sondern als Wachturm und um Lichtzeichen an anderen Moscheen zu senden. Es konnte über Stufen in der Aussenmauer erklommen werden, da es keine Innentreppe aufwies.

Stufen an der Aussenfassade


Sie wurde über die Jahrhunderte mehrmals erweitert und den Bedürfnissen angepasst.



So hatte es Räumlichkeiten für den Koranunterricht, rituelle Waschungen, die Aufbewahrung von Vorräten, eine Mühle und eine Bäckerei und natürlich einen Gebetsraum als zentrales Element. Ausser dem Gebetsraum sind alle Räume für ein Eintrittsgeld von 5 Dinar frei zu besichtigen. Die weiss getünchten Mauern strahlen in der gleissenden Sonne und blenden einen sehr stark. Das sieht man auf den Fotos nicht, so wie ich sie zubereite (Lichter stark reduziert, damit die Farben und Strukturen schön zur Geltung kommen).

früherer Raum der Koranschule


Das monochrome Erscheinungsbild hat mir ausgesprochen gut gefallen und mit dem rein blauen Himmel kommt eine wunderbare Kombination zustande.

Bäckerei


Besonders angetan war mir vom im Tiefparterre gelegenen Komplex der Mühle und der Bäckerei. Der Mühlstein wird über ein hölzernes Getriebe angetrieben, das eine Untersetzung von etwa 1:10 hat (bei einer Umdrehung des grossen «Zahnrads» dreht sich der Mühlstein etwa zehnmal!)




Ausserhalb des Gebäudes befindet sich eine grossflächige Anlage zur Sammlung von Regenwasser, die heute noch benutzt wird. Auf der zur Mitte hin geneigten Fläche fliesst Regenwasser zur zentral gelegenen Zisterne. Als wir dort waren hat eben ein Mann Wasser aus diesem Wasserspeicher entnommen.



Die Moschee ist nur vormittags frei zur Besichtigung - am Nachmittag ist sie Gläubigen als Gebetsstätte vorbehalten.


Nach dem eindrücklichen Besuch dieses alten Gotteshauses ging es Richtung Inselhauptstadt Houmt Souk. Wir fuhren dafür der Nordküste entlang und bogen auf eine eine sandige Piste ab, über die man die Flamingo-Insel erreicht.

Einfahrt auf die Piste


Mit der Erfahrung von der Sahara-Tour war Albrecht hier in seinem Element und genoss es sichtlich, aus den vielen Spuren die richtige auszuwählen, wobei ich ihn als mittlerweile erfahrener Offroad-Copilot unterstützte. Nicht im Sand oder einer nassen Senke steckenbleiben war das Ziel, möglichst viel Spass haben das Credo.



An einer Stelle entdeckten wir dann die Pinguine und ich zückte mein langes Rohr und holte das rosarote Federvieh so nah heran wir möglich. Das erste Foto ist mit den maximalen 600 mm Brennweite aufgenommen, bei den anderen kommt noch der Crop-Faktor (Ausschnittvergrösserung) dazu.





Als wir das Ende der Piste an der Spitze der Insel erreichten, kamen die als Piratenschiffe ausgebauten Kutter in Sicht, mit denen Pauschaltouristen auf einen Ausflug an den Strand dieser Halbinsel verladen werden. Eben bewegte sich eine grössere Gruppe zu den einfachen, im «Piratenstil» gehaltenen Freiluft-Imbisshallen und wir wurden von einem mit Pistole bewaffneten Wachmann, den ich mich nicht getraute zu fotografieren, angehalten. Er erklärte und unmissverständlich, dass es für Autos verboten sei, hierher zu fahren. Dabei waren wir nur den vielen Autospuren gefolgt und sind nirgends an einem Hinweis- oder Verbotsschild vorbeigefahren. Ich bat um Verzeihung, versicherte ihn unseres Respekts für seine Anweisung und beteuerte, dass wir lediglich etwas trinken wollten. Er schwenkte ein und liess uns aussteigen, um uns unter die anderen Touristen zu mischen, die sich bereits auf das Piratenmahl in Form von gegrilltem Fisch freuten. Der Kollege des Wachmanns, der wohl sogar mit einer Maschinenpistole bewaffnet war, rief mich vom Getränketresen zu sich und bestärkte die Aussage seines Kollegen mit Nachdruck. Eine kurze Flasche Cola später sassen wir wieder im Land Rover und fuhren zurück Richtung Uferstrasse.

Piraten in Sicht!



Vor einer Furt, die bereits auf dem Hinweg für Spass gesorgt hatte, stieg ich aus und watete durch das knietiefe Wasser, um von der Durchfahrt Fotos zu schiessen. Man kann das breite Grinsen auf Albrechts Gesicht nicht sehen, aber es war das eines Lausbuben.







Bis nach Houmt Souk, was soviel wie «Marktplatz» heisst, stellten wir das Auto bei der Moschee der Fremden ab. Dort hat es einen Gratisparkplatz (es sind alle Parkplätze gratis), der sehr nahe am Stadtzentrum mit den Märkten und den engen Gassen liegt.

Bereits nach den ersten Schritten wurden wir von Händlern angesprochen, was ich so ähnlich in vielen Ländern erlebt hatte. Sie waren jedoch nicht so aufdringlich wie zum Beispiel in Marrakesch, sondern begriffen, dass wir nur einen gemütlichen kurzen Stadtrundgang machen wollten. So wie heute die gesamte Insel auf den Tourismus ausgelegt ist, zielt auch der Souk mit seinen Gassen auf uns als Klientel. Es ist farbig, die Auslagen sind dieselben wie überall und die Stimmung ist bald erfasst.




Viel interessanter war das Café Haj'hsan, wo mir der bisher beste und grösste Pfefferminztee serviert wurde und wo die Kundschaft zum grössten Teil aus Einheimischen besteht. Dort haben wir das Treiben im Café und auf der Strasse gemütlich beobachten können. Gleich nebenan werden «Chez Smayer» sehr gute tunesische Sandwiches verkauft. Wir teilten uns eines, denn beide verspüren nach unseren verdauungsmässigen keine Lust auf grosse Portionen.




Auf dem Weg zur nächsten Destination fuhren wir an der Festung im Hafen vorbei, die wir wahrscheinlich morgen genauer besichtigen werden. Auch eine weitere kleine Moschee am Strand fuhren wir an, mit der Absicht, in deren Nähe vielleicht die Nacht zu verbringen.

Es hat sehr viele Moscheen direkt am Meer gelegen, wo Fischer mit ihren Booten zum Fang ins Meer stechen - ich kann mir vorstellen, dass sie dort um göttlichen Segen, heile Rückkehr und guten Fang bitten.


Am Flughafen vorbei fuhren wir dann zum «Petit Marin», einem sehr schön gestalteten Strandbeizli, wo wir auf den Sonnenuntergang warteten und etwas kleines assen. Hier scheint der Treffpunkt für temporäre Ferienliebschaften zu sein, denn als wir ankamen waren alle anderen Gäste europäische Frauen mit ihren tunesischen Liebhabern. Zumindest sah es so aus. Kurz vor Sonnenuntergang kamen noch andere Gäste und wir liessen uns vom Täglich gleichen Spiel des Sonnensystems faszinieren und fotografierten das Alltägliche als ob wir es zum ersten Mal sähen. Auch wenn diese Aussage denkbar unromantisch ist: es war schön!




Kurz nach Sonnenuntergang wird es dunkel und kalt. Deshalb zahlten wir und fanden keine 200 Meter neben dem Restaurant einen lauschigen Ort unter Bäumen, den wir hoffentlich bis morgen früh behalten können. Die Polizei ist nämlich bereits drei Mal vorbei gefahren, wurde dabei immer langsamer und beim dritten Mal hielte sie sogar 50 Meter entfernt an und zündeten mit den Scheinwerfern rüber. Ich hoffe, sie sind auch müde und kommen nicht wieder, wenn wir uns warm in unsere Decken gekuschelt haben und schlafen.





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