15. November 2025. Kebili
Wir blieben heute in Kebili und liessen es ruhig angehen.
Nach dem Frühstück, das heute zusätzlich zum Kaffee aus einem feinen Brot bestand, das uns der Besitzer des Campings vorbei brachte, entschloss ich mich, mit der Kamera zur alten, verlassenen Stadt südlich unseres Standplatzes zu spazieren und die Gegend zu Fuss zu erkunden.
| typischer Zaun aus zusammengebundenen Palmwedeln |
Gemäss der Schilderung eines Deutschen Paars, die hier zusammen mit drei anderen Deutschen campieren, stieg ich über den Zaun aus zusammengebundenen Palmwedeln hinter dem zum Grundstück unseres Campings gehörenden Dattelpalmenhains. Dahinter kam: wieder ein Dattelpalmenhain. Und dahinter noch einer. Diese kleine Stadt mit etwa 28’000 Einwohnern ist umgeben von Dattelpalmen, von denen es hier etwa 100’000 gibt. Also pro Einwohner rund 3 Stück.
Eine Palme kann unter idealen Bedingungen bis zu 200 kg Datteln pro Jahr produzieren, was alleine in dieser Stadt einer maximalen Produktion von bis zu 20’000 Tonnen Datteln entspricht. Allein wenn der Ertrag nur die Hälfte ist, müssten 2’000 LKWs mit einer Nutzlast von 10 t diese Datteln abtransportieren, um sie zu verkaufen. Diese Rechnung entspricht bestimmt nicht der Realität, da die realen Mengen, der Ort des Verkaufs und der Verwendungszweck der Früchte mir nicht bekannt sind. Es sind aber ganz sicher riesige Mengen.
Und das sind längst nicht die einzigen Dattelpalmen in Tunesien. Es wird geschätzt, dass im ganzen Land bis zu 10 Millionen Dattelpalmen stehen und dass allein der Exportwert der Datteln über 300 Mio. US$ beträgt.
Ein Bauer, den ich im gefühlt siebten Hain hinter dem Camping bei der Ernte angetroffen habe, sagte mir, er erhalte pro Kilogramm Datteln 3 Dinar, also grosszügig gerechnet etwa einen Franken.
Kebili liegt zwischen zwei Salzseen, dem Chott El Djerid im Westen und dem Chott El Fedjadj im Norden, auf einer Art Landzunge. Die Stadt, deren Name frei mit «der Ort wo die Dattelpalmen wachsen» übersetzt werden kann, ist scheinbar eine der ältesten Oasen in Nordafrika und lag an wichtigen Handelsrouten durch die Sahara. Auch war sie früher eines der Zentren für den Sklavenhandel Richtung Europa. Die hier aus verschiedenen Regionen des Maghreb und der Sahara gesammelten Sklaven wurden von Gabès, das östlich an der Küste liegt, per Schiff nach Europa transportiert.
Die alte Stadt, hier Ancient Kebili genannt, war verhältnismässig klein. Zumindest lässt sich das aus den Ruinen, die heute noch stehen, schliessen. Leider habe ich wenig detaillierte historische Informationen über Kebili gefunden, nehme aber an, dass die heute verfallenen Steinhäuser nicht sehr alt waren. Ich weiss auch nicht, wann die alte Stadt verlassen wurde, es kann jedoch nicht sehr lange her sein.
In der Ruinenstadt ist kaum ein Gebäude intakt und die noch stehenden Mauern erwecken nicht den Eindruck, als würden sie noch lange stehen. Die Bauweise lässt darauf schliessen, dass in einer Gegend, wo es keine Steinbrüche gibt, jeder einigermassen feste und genügend grosse Stein zum Bauen verwendet worden war. Die Häuser scheinen eher klein gewesen zu sein, enge Gassen zwischen ihnen haben als innerstädtische Verkehrswege gedient.
Dieser frei zugängliche Lost Place bietet viele fotogene Ecken und wäre für Fotoschootings mit Menschen sehr geeignet. Die Ruinen sind erstaunlich sauber, denn es liegt kaum Abfall herum. Da sehen viele Strände oder die offenen Felder, wo Plastikflaschen und Verpackungsmüll achtlos weggeworfen werden, viel schlimmer aus.
Auf meinem Spaziergang traf ich viele Menschen, die in den Hainen arbeiteten und kam mit einigen ins Gespräch. Die Themen drehten sich oft um die aktuelle Ernte und die Arbeit in den Hainen. Und natürlich wollten viele wissen, woher ich komme und was ich mache. Es ist erstaunlich, wie kontaktfreudig die Einheimischen sind und wie gross ihre Freude ist, wenn sie auf einen interessierten Touristen treffen.
Ich hätte heute sicher über 20 kg Datteln gratis mit nehmen können, lehnte aber grosse Mengen ab, weil ich nicht so viel mit mir herumtragen wollte. Natürlich nahm ich gerne den einen oder anderen kleinen Zweig mit und verspeiste die meisten Datteln während des Spazierens.
Mitten in den Ruinen liegt das sehr schön renovierte und instand gehaltene Café Culturel El Bortal, wo ich mir einen türkischen Kaffee und eine Cole zu Gemüte führte. Gleich daneben steht eine Moschee, die noch in Gebrauch ist.
Kaum zurück auf dem Camping wurde allen Campern vom Chef des Platzes eine frische Tasse Pfefferminztee serviert was gerade Gelegenheit war, die Teilnahme und den Zeitpunkt de Abendessens zu vereinbaren.
Wir gingen noch einkaufen und hüpften danach beide unter die Dusche, da es hier erfreulicherweise warmes Wasser gibt. Ich nutzte die Gelegenheit, durch eine Rasur den Räuberbart, wie Susanne meine umkoordiniert spriessende Gesichtsbehaarung nennt, zu entfernen.
| Voher |
| Nachher |
Das gemeinsame Abendessen mit vier der fünf Deutschen war begleitet von Erzählungen und Tipps für das Land, denn die anderen hatten den Norden, wo wir noch hin wollen, bereits bereist.
Zum Abendessen gab es logischerweise Couscous, das eine Freundin des Chefs gekocht hatte. Zuvor bekamen wir eine rezente Suppe und die lokale Spezialität Brick. Das sind flache, aus sehr dünn ausgerolltem Weizenteig hergestellte frittierte Teigtaschen, mit einer Gemüse-Ei-Füllung.
Den Salat, der uns aufgetischt wurde, haben wir alle gegessen, denn hier wird frisches Quellwasser sehr gutes Qualität zum Waschen und kochen verwendet.
Mach diesem leckeren Essen mit angeregten Gesprächen waren wir beide ziemlich müde. Albrecht schläft schon, während ich wie jeden Tag den Blogeintrag schreibe und die Fotos sichte, bearbeite und eine Auswahl treffe, die ich Euch zeigen will.
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