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Sonntag, 16. November 2025

16. November 2025. Kebili - Tozeur 


Etwa Hundert Kilometer standen heute auf dem Programm - von Kebili nach Tozeur. Das Wetter war noch nie so schlecht, seit wir in Tunesien sind: der Himmel war zeitweise bedeckt mit Wolken! 

Ein letzter Blich auf Kebili.


Ich freute mich auf die Fahrt über den Chott el Djerid, der zusammen mit dem im Osten daran angrenzenden Chott el Fedjadj und dem etwas abgelegeneren Chott el Gharsa das grösste Salzseengebiet der Sahara bildet. Seit 1979 existiert ein 45 km langer, schnurgerader Damm, über den der Salzsee ganzjährig gefahrlos überquert werden kann. Dieses Gebiet ist rund 70’000 km2 gross und erstreckt sich in Ost-West-Richtung auf über 200 km. An der breitesten Stelle misst es 70 km.

An der Stadtgrenze von Kebili


Die Bezeichnung «See» ist etwas irreführend, ist doch nur an wenigen Stellen Wasser zu sehen, das nicht sehr tief ist. Anfänglich ist die Oberfläche von Auge nicht von einer typischen wüstenähnlichen sandig-staubigen Landschaft zu unterscheiden. Je weiter wir vom Ufer weg kamen, desto mehr weisse Salzablagerungen wurden sichtbar, bis dann kleinere Tümpel und von Menschen angelegte Gräben in Sicht kamen, die mit Wasser gefüllt waren, auf dessen Oberfläche sich eine Salzschicht gebildet hatte. Man kennt das von den Salzgärten z.B. in Südfrankreich oder der Bretagne. An einigen Stellen wird Salz geerntet, dort sind auch die typischen Mauern erkennbar, die die Verdunstungsbecken abgrenzen.

Links und rechts liegt der See: Realität und...



...Karte


An einer Stelle haben wir angehalten und ich stieg vom Damm die steile Böschung hinunter, um Fotos zu machen und das Salz zu probieren. Dort ist der Boden sehr weich und man spürt, dass man auf einem mittelharten Schlick befindet. Ich habe auch den Schlick mit der Zunge auf Salzgehalt geprüft: er ist sehr salzig.

Die Fleur de Sel-Kügelchen schmecken gut!


Aus dem 14. Jahrhundert gibt es eine Überlieferung, nach der eine Karawane mit über 1000 Kamelen im Schlick des Chott el Djerid versunken sein soll. Bis zum Bau des Damms galt die Überquerung dieses Gebiets als sehr gefährlich.

Erste weisse Verfärbungen aus Salz


Die Senke dieses Salzseegebiets entstand vor etwas mehr als 2 Mio. Jahren zwischen dem starren Sahara-Tafelland im Süden und dem Atlasgebirge am Nordrand Afrikas durch tektonische Vorgänge. Durch Erosion und den Druck der Afrikanischen Platte entstand ein Schichkamm, also eine aus verschiedenen Sedimentschichten zusammengesetzte leicht geneigte Ebene, die im Osten etwa 25m über und ganz im Westen an der algerischen Grenze 25 m unter dem Meeresspiegel liegt. Selbst heute hebt sich das gesamte Gebiet noch um 1 bis 3 mm pro Jahr.

Mehr Salz


Ende des 19. Jahrhundert gab es Pläne, den Salzsee mit dem Mittelmeer zu verbinden, um einen grossen See zu erzeugen - bis man bei genaueren Messungen merkte, dass er über dem Meeresspiegel lag

Noch mehr Salz - Grund für ein Strassencafé.

Um das Salz sichtbar zu machen wurden Gräben ausgehoben. Der Aushub in Hügeln aufgetürmt.


Zu griechischer und römischer Zeit speiste der Fluss Triton (nach dem der See auch benannt wurde: tritonis lacus) das Gewässer. Dieser Fluss soll mit dem Mittelmeer eine Verbindung gehabt haben.

Das zweite Strassencafé - von weit sichtbar gemacht.


Schon im Altertum war es aber mehr ein Sumpf als ein tiefer See, in dem der Meeresgott Triton gelebt haben soll. 

Salzgärten und Erntehügel


Heute wird die Senke von Wasserläufen aus dem Atlasgebirge gespeist, die vor allem während regnerischer Zeiten im Winter und Frühling Wasser führen und aus den Bergen herausgespülte Salze und Mineralien mitbringen. Auch wenn es aussieht, als ob die Region sehr trocken wäre, ist die tiefe Schlickschicht mit Wasser getränkt und muss mehrere Dutzend Meter tief sein. In ihr wird bis auf eine Tiefe von 50 m nach Sandrosen gegraben, die ein Gewicht bis zu 6 t erreichen können.


Salzgarten mit Zufahrtspur - scheinbar trägt hier die Oberfläche einen LKW


Im heissen und von starken Winden geprägten Klima verdunstet an der Oberfläche das Wasser und hinterlässt eine Salzschicht. Durch Kapillarwirkung wird weiteres Wasser aus dem Untergrund hochgezogen und verdunstet dann an der Oberfläche. Durch diesen Vorgang entstehen auch die Sandrosen dort, wo im Sommer der Schlick austrocknet und sich feine Gipsschichten und Ton-Mineral-Einlagerungen bilden.


Richtig viel Salz am Strassenrand.


Im Sommer treten auf dem Chott oft Fata Morganas auf.



Wieder auf dem Festland fuhren wir zur Stadt Tozeur und dort zum  Campingplatz mit dem irreführenden Namen «Coco Oasis Camping», den wir im Internet gefunden hatten. Er liegt etwas ausserhalb der Stadt in einem Dattelpalmenhain. Kokospalmen hat es da nicht. Es ist wohl der schönste Campingplatz, den ich je gesehen habe.





Auf dem Campingplatz ist eine perfekte Bewässerungsanlage gebaut, die Wasser für die Pflanzen und die Menschen bereit hält. Der Besitzer hat sie konzipiert und zu einem grossen Teil selber gebaut. Das Wasser zum Bewässern der Pflanzen, vornehmlich der Palmen, wird zuerst in einen grossen Pool gepumpt, wo zum Baden genutzt werden kann. Je nach Bedarf wird es dann zu den Pflanzen geleitet. Durch den häufigen - ich glaub wöchentlichen - Austausch sind keine Chemikalien im Pool notwendig. Der grosse Nachteil: dieses Wasser wird für die gesamte Stadt aus 900 m Tiefe herauf gepumpt und kommt aus einem fossilen Wasserspeicher, der sich vor bis zu einer Million Jahren gebildet hat und sich nicht erneuert. Die Entnahme von Wasser aus diesen Speichern ist sehr umstritten. In Tunesien sind scheinbar nur wenige Gebiete auf solche Entnahmen angewiesen - in Libyen wird das jedoch in grossem Rahmen gemacht und man schätzt, dass das grosse Kubische Sandstein-Aquifer, wie der grösste solche fossile Wasserspeicher heisst, in etwa 250 Jahren aufgebraucht ist. Man ging ursprünglich von 5000 Jahren aus, musste jedoch aufgrund der grossen Entnahmemengen die Prognose massiv reduzieren.

Wohnwagen als Hotelzimmer

Pool mit Wasser zur zukünftigen Bewässerung


Gottesanbeterin betet mich an


Wenn es in Kebili viele Dattelpalmen hatte, dann hat es hier sehr viele. Man schätzt, dass rund um Tozeur et 1 Mio. Dattelpalmen stehen!

Wasser-Pump- und Verteilstation


Die Stadt mit heute fast 50’000 Einwohnern war und ist eine der grossen Drehscheiben für Handel, Verkehr und Tourismus in Nordafrika. Hier kreuzten sich Karawanenrouten und Handelwege, starten Sahara-Rallyes, verproviantisieren sich Saharareisende und machen Touristen vor oder nach ihren Reisen durch das Land Halt. Sie ist der ideale Ausgangspunkt für den Besuch der Star Wars-Drehorte und die wichtigen Touristenziele entlang der algerischen Grenze, welche heute wegen der Flüchtlingsströme, den kriegerischen Rebellen und der Gefahr, dort für Lösegeld entführt zu werden, nicht oder nur mit Vorbehalt besucht werden können. Wir werden diese interessanten Gebiete deshalb meiden und uns auf die vielen und sicheren Sehenswürdigkeiten konzentrieren. 

Miet-Velo-Pedalo


Es mag sein, dass wir da etwas übervorsichtig sind und dass wir etwas spannendes deshalb «verpassen». Aber ich habe keine Lust, wie die Deutschen vom letzten Campingplatz von der Nationalgarde eskortier aus dem von den Behörden als gefährlich eingestuften Gebiet hinauseskortiert zu werden. Und ich habe bereits vor Jahren beschlossen, dass ich weder Konfliktgebiete noch Krisenherde, Katastrophenzonen und Schurkenstaaten besuche. Der Gewinn an Eindrücken und Wissenszuwachs habt in keiner Form Risiko, Angst, Schmerzen und Leid auf, die entstehen können durch meinen Besuch. Es gibt genügend schöne und friedliche Ort auf der Welt, da kann ich locker auf ein paar verzichten, auch wenn man das anders sehen kann.






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