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Samstag, 22. November 2025

22. November 2025. Mahdia - Monastir - Sousse 

Die ersten Sonnenstrahlen am Morgen

Die Wollmütze hält den Kopf, aber nicht den Kaffee warm.


Vergangene Nacht hat es uns richtig durchgeschüttelt, so stark waren die Windböen! Heute habe ich in einer Aufstellung im Internet gesehen, dass bei uns die Winde 50 km/h schnell waren, in Böen noch einiges mehr. Das hat den aufgeklappten Dachzelt-Aufbau stark beansprucht und wir hatten eine kurze Zeit lang das Gefühl, wir müssten den Land Rover deshalb Umparken. Aber es ging dann, war einfach etwas unruhig zum Schlafen. Aber da ich ja nicht zum Hören oder Spüren ins Bett gehe, sondern zum Schlafen, habe ich davon wenig bis gar nichts bemerkt.



Kaum war die Sonne aufgegangen, schien sie uns an, was aber leider wegen der kalten Temperatur und des immer noch starken Winds keine spürbare Erwärmung zur Folge hatte. Der Kaffee wurde entsprechend schnell kalt - es war mehr ein Eiskaffee denn eine koffeinhaltige Heissschale. Man musste einfach den kurzen Zeitpunkt erwischen, um zwischen süttig heiss und fast gefroren wenigstens ein bisschen wärmendes Dunkelbraun in sich schlürfen zu können.



Angesichts der bissigen Temperaturen, die den ganzen Tag bis in den Abend kaum spürbar besser wurden, entschieden wir uns, eine gemütliche Fahrt so nah wie möglich an der Küste zu unternehmen, mit dem Ziel am Ende in Sousse anzukommen, wo uns eine Wohnung erwartete Aber dazu später mehr.


Ringförmige Konstruktionen der Fischer - für Fischzuchten oder um Fänge lebend zwischen zu lagern?


Erstaunlicherweise ist das Meeresufer zwischen Madhia und Sousse nur an wenigen Stellen komplett verbaut mit Hotels, so dass wir oft einen freien Blick auf’s Wasser hatten. Der Himmel war wunderbar blau und mit ein paar pittoresken weissen Wolken bestückt, das Wasser an vielen Stellen aufgewühlt und wellig, so wie es in einer Badewanne wir dem Mittelmeer eben wellig sein kann.





Etwas vor Monastir schauten wir uns in der Ortschaft Lamta den Fischereihafen an, wo ich ein paar lohnenden Sujets für Fotos gefunden habe. Hier hat es von kleinen Küstenbotten bis zu den richtig grossen Pötten alles liegen. Viele Schiffe sind auch ausgemustert und teilweise auf veritablen Schiff-Schrott-Bergen aufgetürmt - das sind meine liebsten Fotomotive, wo ich gerne verwitterte Details und spannende Perspektiven ablichte. Mit den vielen im Hafen liegenden und optisch ein unübersichtliches Durcheinander bildenden aktiven Schiffen kann ich nicht fotografisch viel anfangen. Die Fischer, die samstagmorgens ihre Netze ordneten, überprüften und reparierten, hätten sicher schöne Aufnahmen ergeben, aber ich getraute mich nicht, nahe genug an sie ran zu gehen und ihre Tätigkeiten und die von der harten Arbeit an Bord gezeichneten Gesichter abzulichten. An Häfen, bei staatlichen Einrichtungen, Fabriken und sonstigen sensiblen Punkten muss man aufpassen, denn die Ordnungsdienste wollen hier nicht dass Fotos gemacht werden. So hielt ich mich zurück.

Besonders gereizt hätte mich der Bereich der Werft, wo neue Schiffe auf Kiel lagen und alte, hölzerne repariert wurden. 






In Monastir, der rund 100’000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt, befindet sich ebenfalls ein kleinerer Hafen, wo eher die privaten Schiffe wie Segler und Motoryachten liegen. Ihm gegenüber befindet sich die in vielen tunesischen Städten erhaltene Burg, die prominent auf einer Anhöhe steht und wie überall der Ursprung der Siedlung war. Diese Befestigungen wurden von den Arabern erbaut, um sich gegen die verschiedenen Feinde (Feindich gesinnte Muslime mit anderer Glaubensauslegung, Korsaren, Vandalen, Kreuzritter und europäische Handelsmächte) zu verteidigen. Um diese Festungen herum entstanden im Lauf der Zeit die Siedlungen, die sich im besten Fall zu Städten entwickelten. 

Monastir in Sicht

Badestrand in Monastir - die Eisschwimmer habe ich verpasst

Links hinten die Festung


Hier in Monastir waren es die Phönizier, die bereits Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung eine erste Befestigung und einen Handelsplatz einrichteten. Die Karthager übernahmen die Stadt 539 v. Chr. und wurde im Jahr 796 von einem Abasiden-Kalif eine der ersten arabischen Siedlungen am Mittelmeer und zur Verteidigung gegen die byzantinischen Flotten stark gefestigt. Der Ribat, wie die Festungen auf arabisch genannt wurden, war einer der wichtigsten und wer dort mehr als drei Tage Postendienst geleistet hatte, dem winkte ein Platz im Paradies. Deshalb galt sie unter den Kämpfern, aber auch den Asketen als ein lohnender Wallfahrtskirche- und Meditationsort.



In Monastir wurde der erste Präsident Tunesiens geboren: Habib Bourguiba (1903 - 2000). Er wird heute noch verehrt und gilt als Vater Tunesiens. Sein Präsidentenpalast, ein zu seinen Ehren erbaute Moschee mit Mausoleum und Museum, eine Reiterstatue auf dem Weg zum Flughafen und Strassen und Plätze zeugen von ihm.

Im Hafen von Monastir


Monastir ist heute eine wichtige Universitätsstadt, was sich ein der demokratischen Aufteilung der Bevölkerung zeigt: ein Viertel der Bewohner sind Studenten. Hier wird auch sehr viel Olivenöl umgeschlagen und die Stadt ist eines der wichtigsten Zentren der Tourismusindustrie.

nördlich der Hafenmole von Monastir - Blick nach Westen


Als wir die Stadt verliessen, habe ich bemerkt, dass an einer Kreuzung Jugendliche wohl zum Spass versuchten, sich an einen Lastwagen etwas weiter vorne an die Rückseite zu hängen, was ihnen jedoch nicht gelang. Als wir an der Kreuzung waren, gelang es einem effektiv, sich an unser heck zu hängen und ein paar Hundert Meter mitzufahren. Ich machte Albrecht darauf aufmerksam, worauf er anhalten wollte, damit ich ihn wegjagen sollte. Der Junge machte sich aber aus dem Staub, bevor ich aussteigen konnte. Zum Glück ist nichts passiert.

nördlich der Hafenmole von Monastir - Blich nach Osten


Weiter ging es wieder auf der Küstenstrasse nach Sousse, der drittgrössten Stadt Tunesiens. Sie ziemlich genau so gross wie Basel. Sie wurde bereits im 9. Jahrhundert v. Chr. ebenfalls von den Phöniziern gegründet, noch vor Karthago. Sie wurde ebenfalls von den Karthagern übernommen, dann 300 v.Chr. von Hannibal erobert, von den Römern übernommen, dann im 5. Jahrhundert von den Vandalen, im 6. Jh. von den Byzanz zurückerobert und ab dem 7. Jahrhundert von den Arabern beherrscht. Sie war die wichtige Hafenstadt für die Hauptstadt des arabischen Tunesiens. Im 12. Jahrhundert kamen die Vandalen und in der türkischen Zeit war sie ein wichtiger Hafen der Korsaren. Da hatte bestimmt auch wieder Dragut die Hände im Spiel. Dadurch kamen die Spanier, Franzosen und Genuesen ins Spiel, denn sie wollten ihre Handelswege schützen. Es folgte der Niedergang der Stadt. Wichtigkeit erlangte sie erst wieder in der französischen Kolonialzeit, wo sie wichtigster Hafen für den Export von Phosphat wurde.

Töffli aus dem letzten Jahrtausend, unterwegs gesehen


Kaum In der Stadt angekommen, nahm ich mit Chehida, der Tante der Frau eines lieben Freunds, Kontakt auf. Bei ihr dürfen wir zwei oder drei Nächte schlafen, denn sie besitzt ein Haus am Nordrand der Stadt. Die Koordination war etwas schwierig, obwohl sie recht gut Deutsch spricht. Am liebsten hätte ich von ihr den Standort ihres Hauses als Google-Maps-Link gehabt, aber da hier niemand auf dem gleichen Mobiltelefon Gespräche führt und ins Internet geht, war das leider nicht möglich. Aber wir fanden den vereinbarten Treffpunkt auf Anhieb trotz für mich verwirrender Erklärung des Weges. 


Die ältere Dame stellte uns die Wohnung ihrer Tochter zur Verfügung, welche in Tunis lebt und manchmal am Wochenende hierher kommt. Die Wohnung selber wurde gerade renoviert und ist noch nicht ganz fertig gestellt. So haben wir kein Warmwasser, in der Küche ist die Haustechnik noch nicht installiert - und es hat keine Heizung, was uns zwingt, mit Schal und dicker Jacke im Wohnzimmer zu sitzen. Aber wir sind froh und dankbar, ein bisschen Zeit in einem Haus zu verbringen.

Es ist auch in der Wohnung kalt



Morgen möchte ich zu Fuss die Stadt erkunden gehen - ich Wrede berichten.


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