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Dienstag, 25. November 2025

25. November 2025. Elles - Dougga - Bull Regia 


Die stille Nacht im Olivenhain nördlich der Megalithenanlage von Elles war traumhaft. Draussen blies ein moderater Wind, die Standheizung schnurrte gemütlich und am Morgen weckte uns die Sonne. Kurz nachdem wir Kaffee gekocht hatten, tauchte auch schon Ahmed auf und brachte uns frisches, noch warmes Fladenbrot, Datteln und einen Freund mit seinen beiden Hunden mit. Ohne sich wirklich zu verstehen assen wir bei angeregtem Gespräch das frische Brot, das wir nach tunesischer Art in frischgepresstes Olivenöl tauchten. So hatte ich noch nie z’Morge gegessen - es schmeckte super lecker und ist wahrscheinlich einiges gesunder als ein Butterbrot. Dazu ein paar Feigen und der Tag kann starten.

Die mexikanische Kaktusfeige - im ganzen Mittelmeerraum verbreiteter Neophyt


Ahmed schien sich wohl zu fühlen und erzählte so einiges, von dem wir nur erahnen konnten, was er uns sagen wollte. Dazu drehte er sich einen Joint, wir lehnten aber beide dankend ab, als er uns auch einen Zug anbot. Ich glaube, mich hätte es total verstrichen, denn ich habe seit drei Wochen ausser Tabak und insgesamt etwa 3 Stangen Bier nur sogenannt gesunde Dinge zu mir genommen.

In der Kornkammer fallen Unmengen Stroh an - üblicherweise mit überladenen Kleinlastern transportiert.



Albrecht wurde langsam ungeduldig, als unser neuer Freund nicht mit Erzählen aufhören wollte und ich begann deshalb demonstrativ aufzuräumen und zu packen. Ahmed liess sich aber nicht abschütteln und ich musste mit ihm einen Teil des Weges zu Fuss gehen, während Albrecht im Land Rover hinter uns her fuhr. Auf dem Spaziergang erfuhr ich, dass die Einheimischen immer wieder im Boden gruben, weil sie hofften, römische Schätze zu finden - und wenn ich es richtig verstanden habe, ist dies auch wirklich ab und zu der Fall. So zeigte er mit ein paar Stellen, an denen er bereits gegraben hatte und Duette an, dass er an einem Ort etwas wertvolles gefunden hatte. Hier in der Gegend sind die römischen Überreste so zahlreich, dass ich es gut glauben konnte. So lagen auf unserem diverse offensichtlich römische Steinblöcke mit Ornamenten und auch einer mit einer Inschrift. Dazu immer wieder Scherben von Keramiken.



Als wir uns von Ahmed verabschiedet hatten, nahem wir unseren Weg unter die Räder. Es sollte zu einer - wie konnte es anders sein - weiteren römischen Ausgrabungsstätte gehen. Die rund 70 km bis Tugga (Dougga) kann ich auf Google Maps nicht als Strecke einzeichnen, damit es im Reisebericht ersichtlich ist, denn dieses Tool nimmt keine Strecken an, die nicht auf Strassen verlaufen. Unsere ersten Kilometer fuhren wir auf Pisten (bei uns würde man «Feldwege» sagen).



Zuerst sollte es nach El Kef gehen, einer Stadt, die sehr schön an einer Hügelflanke liegt und mit einer schönen Altstadt, einer imposanten Festung und einer interessanten Geschichte aufwarten kann. Seit der Revolution wird die Stadt nur noch selten von Touristen besucht, denn sie liegt weit im Westen und zu sehr abseits der Touristenbusrouten zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten. Als wir und die Stadt fuhren, bemerkten wir gleich das relativ grosse Verkehrsaufkommen und als am Ort, der uns ideal zum Parken geschienen hatte, absolut keine Möglichkeit bestand, das Auto abzustellen, liessen wir die Stadt links liegen. Da Albrecht wegen seiner Hüfte nicht wirklich gut gehen kann, sind längere Spaziergänge kaum möglich - und genau das hätten wir tun müssen, um ein wenig der Schönheiten dieser recht grossen Stadt zu erleben.

Aussicht von El Ken über die Ebene Richtung Südwesten


Aber trotzdem will ich etwas über die Geschichte erzählen. 

Die Stadt wurde zur Zeit der karthagischen Dominanz gegründet. Panier siedelten hier Bewohner Siziliens an, welche von der Insel den Kult der Liebesgöttin Sicca Venezia mitbrachten, inklusive Tempelprostition. Von El Ken ging 241 v.Chr. der Söldner aufstand gegen Karthago aus. Im Kapital «Sicca» erzählt Flaubert in seinem Roman «Salammbo» davon. Als die Römer kamen, behielten sie sowohl den Namen als auch die Prostitution bei und bauten die Siedlung aus. In christlicher Zeit wurde El Ken sogar Bischofssitz. Die Vandalen initiierten den Niedergang mit ihrem Einfall und erst im 16 Jahrhundert erkannten die Türken die strategische Lage der Stadt und bauten sie wieder auf.Von ihnen stammt auch die imposante Kasbah, die Festung. Es gibt zwei sehenswerte Museen, eine Synagoge, die heute ein Museum ist und einen Palast des ersten Präsidenten, Habib Bourguiba, dessen Frau aus El Kea stammte. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass junge Menschen die Stadt bekannt machen wollen: sie haben an wichtigen Sehenswürdigkeiten Barcodes installiert, mit Hilfe derer die Orte virtuell wieder zum Leben erweckt werden. 

Unterwegs: die Durchgangsstrasse ist gleichzeitig Marktstrasse



Also fuhren wir weiter Richtung Norden, wo eine Sensation auf uns wartete. Die Ruinenstadt Thugga. Es ist die wohl am besten erhaltene römische Stadt in Tunesien und weit darüber hinaus. Obwohl ein sehr grossen Gelände ausgegraben ist, sind noch 75% der ehemaligen Stadt nicht erschlossen. Im Ganzen rechnet man mit einer Grösse von über einem Quadratkilometer! Die Stadt liegt auf 500 bis 600 müM über einer Hochebene an einem Hang, der wie ein riesiges Theater wirkt und verfügt über ein angenehmes Klima, fruchtbare Böden und mehrere Quellen. Die Aussicht über die Ebene ist faszinierend und man kann sich gut vorstellen, dass es den Römern dort wohl war.

Das Gebiet der alten römischen Stadt war bis ins 20. Jahrhundert bewohnt - die Franzosen siedelten die Bewohner etwas südlich im heutigen Dougga Nouvelle an, um die römische Stadt auszugraben. Was schön und brauchbar war, nahem sie mit - genauso wie das früher schon viele andere getan hatten.




Ich habe ein wenig mit einem der anwesenden Restauratoren geredet, der viel zu erzählen hatte. Heut wird am bereits ausgegrabenen Zentrum der Stadt vor allem konserviert - im Gegensatz zu früher, als man während der französischen Kolonialzeit vor allem versucht hat, zu rekonstruieren. Dabei wurden schreckliche Fehler gemacht, die heute noch zu sehen sind. Statt nach archäologischen Kriterien zu arbeiten, wollte man da damalige Bild einer römischen Stadt wieder herstellen und verbaute irgendwelche Steinblöcke zu Mauern und Gebäude-Fragmenten, die so gar nie existiert hatten. An einigen Stellen ist das offensichtlich und auch von Laien wie mir sofort erkennbar. An einer Stelle wurde eine Strasse einfach zugebaut und ein vermeintlich römisches Gebäude hingezaubert. Heute wird das tunesische Denkmalamt von den Universitäten Bordeaux und Freiburg im Breisgau bei den archäologischen Arbeiten unterstützt.




eine der vielen Strassen in der für Fussgänger gebauten Stadt


ein bei der Rekonstruktion unmotiviert verbauter Stein mit Inschrift

schlecht erkennbar: Windrose auf dem Platz der Windrose

Restauration eines Mosaiks


Trotzdem ist die Anlage extrem anschaulich und vermittelt einem eine sehr gute Vorstellung einer römischen Stadt. Besonders imposant ist das Kapitol, das mit seiner Säulenfront majestätisch über all den vielen Mauern und Mosaiken thront. Das Theater, das eines der am besten erhaltenen in Nordafrika ist, habe ich auf meinem Rundgang in dem sehr grossen Gelände gar nicht bemerkt und bin darüber etwas enttäuscht. 

eine bei der Rekonstruktion verbaute Strasse

Detail einer schönen Säule




interessante Bauweise an einer Mauer des Kapitols

überall liegen beschriftete Steinblöcke

Ruinen der ältesten Markthalle in Afrika

Lenitcularis


Wir entschieden danach, trotz ungünstiger Wettervoraussagen Richtung Norden zu fahren, wo schöne Landschaften und eitere Sehenswürdigkeiten auf uns warten. Auf der Fahrt haben wir nicht nur atemberaubende Landschaften gesehen, sondern wurden auch Zeugen imposanter Lichtspiele und und fuhren auf schön und die Landschaft gelegen Strassen.

gleich beginnt es zu regnen


Bei der Ausgrabungsstätte Bulla Regia dürfen wir die nacht auf dem Parkplatz des Besucherzentrums verbringen - die Angestellten des kleinen Museum erlauben das interessierten Touristen ausdrücklich. So können wir eine weitere Nacht zwischen Olivenbäumen verbringen und haben uns heute ein wirklich feines Abendessen gekocht, denn ich habe an einem Marktstand Zwiebeln und Petersilie gekauft, mit denen wir eine Tomatensauce verfeinerten.

Standplatz zwischen Olivenbäumen

ein letzter Gruss der Sonne vor dem Untergang

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