4. November 2025. Douz - Fenix Ralley
Dieser Tag begann um 6:00 Uhr in der Früh, d.h. eigentlich um 5:30 Uhr, als uns einer der Muezzine mit seinem Gesang zum Tagesanfang weckte. Es war noch dunkel, als wir aus der Kabine stiegen, und es war auch recht frisch.
Nach einem kräftigen schwarzen Kaffee klappten wir das Dachzelt ein und begaben uns zu dem Hotel, wo die Fahrer und ihre Teams der Fenix Rallye untergebracht waren. Der Weg dorthin führte uns durch einen wunderbaren Dattelpalmen Hain auf einer sehr schmalen und holprigen Piste. Die Palm Wedel streichen an der Karosserie entlang und wichtigsten den Staub von den Solarpanels auf dem Dach.
Wir kamen an der „Porte du Sahara“ vorbei (eigentlich heisst er „The Gateway to the Sahara Desert“ und ist wohl eine Erfindung des lokalen Tourismus-Büros), einem pittoresken gemauerten Torbogen, durch den man auf die weite Dünenlandschaft der Sahara blicken kann. Dieser Torbogen wird scheinbar sehr oft fotografiert und es wundert mich, dass nicht wie am Rheinweg in Basel vom Stadtmarketing ein dimensionaler Schriftzug „J’aime le Sahara“ aufgestellt wurde. Hier wäre der perfekte Selfies Spot von Douz.
Als wir beim Hotel der Rallye Fahrer ankamen, brauste eben an der nächsten Ecke ein wüstentaugliches Motorrad vorbei. Wir waren also am richtigen Ort und bogen an der Ecke ab, woher er gekommen war. Da war das Fahrerlager Tieflader, Service, Zelte, Techniker und Fahrer sowie verschiedenste Fahrzeuge standen da. Ein Motorrad nach dem anderen verliess im Minutentakt das Lager und brauste davon. Wir folgten einem der Motorräder und versuchten ihm nachzufahren. Als wir es verloren hatten, hielten wir an und warteten auf das nächste, um ihm zu folgen. So führten uns ein paar Motorräder hintereinander aus der Stadt hinaus auf eine Strasse in die Wüste hinein. Jetzt hielten wir an und parkte unser Fahrzeug am Strassenrand. Und ich packte die Kamera aus, montierte das grosse Tele Zoom und positionierte mich auf einer kleinen Düne nahe des Strassenrands.
Das Licht war perfekt um etwa 7:30 Uhr! Ich stellte die Kamera ein mit 6400 ASA, eine 6000stel Sekunde Belichtungszeit, Blende 11, Serienaufnahme mit 11 Bildern pro Sekunde, und Nachführmessung beim Autofocus. Das objektiv hat eine Brennweitenspanne von 150-600 mm. Es ist ein richtiges Rohr!
(ein Foto davon kommt morgen – oder so)
Kaum war ich bereit, kamen auch schon die ersten Fahrzeuge. Nach ein bisschen Eingewöhnungszeit gelangen mir in den nächsten 2 Stunden viele gute Aufnahmen der vorbeisausenden Boliden.
Viele Fahrer oder Beifahrer winken mir zu, wohl meinen, ich sei der Hoffotograf. Das war ich ja auch, denn ich werde wie üblich alle guten Fotos an die Veranstalter senden.
Ich machte etwa 400 Aufnahmen, von denen rund 150 brauchbar sind.
Etwa um 9:00 Uhr fuhr ein grosser gelber 8 × 8-MAN gl („Kat“) vorbei, der als Rettungswagen für fahruntaugliche Fahrzeuge fungierte. Das ist ein vierachsiger riesiger Lastwagen, bei dem alle Räder angetrieben sind. Er wird seit 1960 für die Bundeswehr und das Militär anderer Länder sowie für die UNO, technische Hilfswerke und private Nutzer gebaut. In der grössten Version kann er bei voller Geländetauglichkeit bis zu 15 t zuladen. Er war das letzte Fahrzeug der Rallye.
Was war ich froh, dass alle vorbei gefahren sind, denn mein Arm und meine linke Schulter schmerzten vom Halten des schweren Objektivs.
| MAN gl - Kat 8x8 |
| Der Besenwagen |
Wir fuhren noch etwa 5 km weiter zum „Café de la Porte du Désert“, das etwa 35 km entfernt von Douz am Ende der geteerten Strasse liegt. Wir wurden freundlich vom Inhaber empfangen und bekamen sehr schnell einen Pfefferminztee und einen Espresso.
Über uns schwebte ein Gleitschirm mit Propellerantrieb, der wenigen Minuten später landete. Es war Dan, ein mexikanischer Gleitschirm Pilot, im Tandem Flug mit einem sehr grossgewachsenen US-Amerikaner aus Florida. Sie erzählten vom Flug über die Wüste, von der Schönheit der Landschaft und vom Kampf mit dem Wind, der natürlich genau aus der falschen Richtung wehte. So landeten sie bei dem Kaffee, obwohl sie eigentlich ganz woanders hin wollten.
Nach einem interessanten Gespräch entschlossen Sie sich es noch einmal zu versuchen, was aber wegen des starken Winds und der Steine und Büsche, in denen sich die leinen verfingen, gehörig misslang.
Nach einem weiteren Gespräch wurden sie vom Aussendienstmitarbeiter der Gleitschirm Vermietung und einem gut aussehenden Helfer in sehr schön geschneiderte Pluderhosen abgeholt.
Wir machten uns kurz nach Mittag auf den Rückweg und bemerkten, dass der Wind in der Zwischenzeit einige kleine Dünen auf die Strasse geweht hatte. An einer Stelle wurde Albrecht etwas übermütig und versuchte in satter Geschwindigkeit über 2-3 der Minidünen zu brettern. Wir bemerkten zu spät, dass zwei der Sandansammlungen viel zu hoch für unser Tempo waren. Hätten wir nicht ein so stabiles und robustes Fahrzeug gehabt, hätten wir wohl einen Abschleppdienst bemühen müssen, um wieder in die Zivilisation zurückzukehren. So kamen wir aber mit dem Schrecken davon und haben gleichzeitig eine Lektion gelernt.
Zurück auf dem Campingplatz versuchte Albrecht, sich des störenden Geräusch im Antriebsstrang zu widmen, während ich zuerst auf eine Fotopirsch im Dattelpalmen Hain ging und danach die 450 Fotos aussortierte und im Schnellgang bearbeite.
Während meine nachmittäglichen Aktivitäten sehr erfolgreich waren, musste Albrecht, unser Rallyemechaniker, einen herben Frust vergegenwärtigen: da er vermutete, dass das Kreuzgelenk an der vorderen Kardanwelle in Folge ungenügende Schmierung Schaden genommen hatte, wollte er die Kardanwelle ausbauen. Leider fehlten ihm aber die 3/16-Zoll Gabelschlüssel, um die Befestigungsschrauben zu lösen.
So entschlossen wir uns zu Fuss zur nächsten 4 × 4 Garage zu gehen und zu fragen, ob sie uns helfen können. Der anwesende Angestellte hörte sich das Problem an und rief per Telefon den Chef herbei. Dieser kam keine 5 Minuten später, packte uns in seinen abgewrackten Toyota Land Cruiser und fuhr mit uns zurück zum Camping und schaute sich das Fahrzeug an. Ein Telefon mit einem Kollegen später und wir fuhren ihm hinterher zu einer zweiten Garage. Dort wurde die vordere Kardanwelle so schnell ausgebaut, dass Albrecht Bauklötze staunte. Jetzt hatten wir einen Land Rover nur mit Hinterradantrieb. Eine kurze Probefahrt zeigte aber, dass das Problem so nicht gelöst war, denn das Geräusch war noch immer zu hören. Der Fehler musste also woanders liegen.
Mittlerweile denken wir, dass im Verteilergetriebe etwas nicht stimmt. Morgen früh werden wir wieder zur Garage fahren und das Verteilergetriebe ausbauen und auf Fehler untersuchen.
| Dromedare auf dem Heimweg gesehen |
Mir knurrte mittlerweile der Magen, aber die nach dem Garagenbesuch auf Google Maps gefundene und angepeilte Pizzeria existiert nicht (mehr). Also kauften wir bei einem einfachen Essen stand ein seltsam aufgeschnittenes und gespreiztes auf dem Grill knusprig. Gebratenes Hähnchen und im Laden über die Strasse eine Baguette zum Abendessen. Die grosse Baguette – in Frankreich würde man “Pain“ sagen - kostete umgerechnet sagenhafte acht Rappen das gegrillte Hähnchen fünf Franken.
Nach ein paar technischen Überlegungen und anderen Gesprächen beim Essen war für uns der Tag bereits um kurz vor 21:00 Uhr vorbei. Ich setzte mich hin und schrieb diesen Bericht während Albrecht sich gemütlich zurück zog.
Ach ja, heute ist ja glaub ich Vollmond.
Guet N8.
Vollmond ist Morgen Mitteoch
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