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Mittwoch, 5. November 2025

5. November 2025. Douz - Werkstatt


Der Tag begann heute um 7:00 Uhr mit dem relativ unangenehmen Weckerton meines Mobil Phones, denn wir hatten einen relativ frühen Werkstatttermin. Es sollte dem ungewöhnlichen Geräusch beim fahren an den Kragen gehen.



Also fuhren wir zur nahe beim Campingplatz gelegenen Werkstatt und begrüssten den alleine arbeitenden Mechaniker, dessen Namen ich leider nicht mehr weiss, mit einem freundlichen Salam Aleikum. Er Fackel er nicht lange, sondern sammelte aus, der am Boden liegenden, vermeintlich chaotischen Werkzeugs Amlung, die richtigen Gabel Düssel , Nüsse und andere Utensilien zusammen, legte ein Stück Karton unter das Fahrzeug und sich gleich drauf.




Zugleich begann er damit, die hintere Kardanwelle auszubauen, um das Verteilergetriebe zu prüfen.



Ich packte meine Kamera aus und verabschiedete mich auf einen Stadtbummel. Albrecht blieb bei der Werkstatt, um dem emsigen Profi unter seinem Land Rover zuzuschauen und ihm allfällige Fragen zu beantworten. 




Mein Weg durch die nicht sehr ansehnliche kleine Stadt führte mich an vielen relativ modernen und schmucklosen Gebäuden vorbei, immer auf der Suche nach geeigneten Fotomotiven. Je näher ich dem Zentrum kam, desto mehr Menschen waren auf der Strasse und nahm der Verkehr in den engen Gassen zu. Als ich die ersten Marktstände erblickte, freute ich mich darauf, die Auslagen zu studieren und ein paar schöne Detailfotos zu schiessen. Vor allem in dem Teil, wo Lebensmittel angeboten wurden, ergaben sich ein paar gute Gelegenheiten für ansprechende Farbmalereien, wie ich solche Aufnahmen nennen.





Da gab es viele stände mit Gemüse und Gewürzen, wo sich die einheimischen mit es waren ein deckte. Ich pflege die Standbetreiber jeweils freundlich zu fragen, ob es in Ordnung ist, wenn ich Fotos ihrer Auslage mache. Das ist vor allem bei Lebensmitteln selten. Ein Problem, bei Kunsthandwerk kann ich gut nachvollziehen, wenn nicht alle wollen, dass ihre Produkte fotografiert werden. Manchmal ergeben sich kurze Gespräche und das zeigen der gemachten Fotos erzeugt oft Freude.




Während in den Gassen vor allem Lebensmittelangeboten werden, ist der recht grosse Marktplatz, dem Kunsthandwerk, den Antiquitäten, Kleidern und Haushaltswaren vorbehalten. Hier findet man neben Allerweltsgegenständen wie Messern Turnschuhen, T-Shirts, Roest Werkzeug und allerhand anderen Dingen vor allem auch typische regionale Lederprodukte, Tücher, Teppiche, Ton, Varren und dergleichen.



Besonders beliebt scheinen die Sandrose zu sein. Diese bilden sich in lockerem Sand bei hohen Temperaturen, wenn die Feuchtigkeit an der Oberfläche verdunstet und Mineralien aus tieferen Schichten hoch gezogen wird. Diese manchmal skurril wirkenden Gebilde liegen oft an der Oberfläche, manchmal sind sie aber auch tiefer im Sand versteckt. Hier in der Sahara werden sie zu Verkaufzwecken ausgegraben bis in eine Tiefe von 50 m. Grössere Sandrosengebilde können mehrere Tonnen schwer sein. So grosse Exemplare hatte es auf dem Markt natürlich nicht, aber das grösste das ich sah, muss mehrere 100 kg schwer sein. 




Ein sehr interessanter Stand bot Antiquitäten aus der Umgebung an. Da waren Kamelsättel, alte Gefässe, Utensilien und – was ich sehr interessant fand – ein paar traditionelle Mühlsteine.



Eine Kamelmetzgerei hatte ich noch nie gesehen - hier gibt es eine. Die Auslage ist etwas gewöhnungsbedürftig, resp. für mich ungewöhnlich. 


Nachdem ich den Markt verlassen hatte, kam ich am Friedhof vorbei. Im Gegensatz zu christlichen Friedhöfen hatte dieser muslimische sehr einfache Träber ohne grosse Grabsteine und die Gräber sah sehr schlecht aus. Ich getraute mich als Nicht-Muslim ned, diesen Ort zu betreten, sondern war durch fensterartige Lücken in der Umgebung, Mauer sowie durch das Eingangstor ein paar Blicke hinein. Fotografieren wagte ich auch nicht, denn ich wollte nicht den Unmut der Menschen provozieren. Allerdings erlaubte ich mir, ein Detail der alten, nicht mehr funktionstüchtigen, hölzernen Eingangstür zu fotografieren. 



Jetzt war Zeit für einen Pfefferminztee und ich betrat ein Kaffee, in dem wie in den meisten muslimischen Ländern, nur Männer sassen. Ich setze mich an einen freien Tisch auf der Terrasse und kam, bevor der Tee serviert wurde, mit dem Tischnachbar ins Gespräch. Nach ein paar Worten teste ich mich zu ihm an den Tisch und wir tauschen zuerst die üblichen Informationen aus. Es stellte sich heraus, dass Haitham, wie er hiess, Touren in dieser Sahara organisiert und durchführt. Ich war also an den richtigen geraten. Er erzählte, ich fragte, er zeigte Fotos und schon bald kamen wir überein, dass ich ihn nach Absprache mit Albrecht später am Tag kontaktieren werde.

Bald waren wir an dem kleinen Tisch zu fünft und die einheimischen Männer plauderten, lachten und witzelten wohl auch über mich. 



Nach diesem feinen Tee und der interessanten und lustigen Gesellschaft im Café verabschiedete ich mich Richtung Lebensmittelmarkt und kaufte eine Herde Datteln (damit meine ich einen Bund Datteln, wie sie an der Palme wachsen… Es müssen wohl etwa 2 kg gewesen, sein), ein paar Mandarinen und zwei Granatäpfel. Ich hatte Lust auf Vitamine. 


Gegen 11:30 Uhr war ich wieder bei der Werkstatt. Mittlerweile war das hintere Differenzial zerlegt, beide Kardanwellen lagen auf dem Boden unter dem Fahrzeug und Albrecht hatte einen entspannten Gesichtsausdruck. Ein Schaden war nicht festgestellt worden. Da das Öl im Differenzial eine schlechte Qualität hatte, wurde es zu Kontrollzwecken auseinandergenommen – es war aber in einwandfreiem Zustand. Nach dem Zusammenbau wurde frisches Öl eingefüllt, ebenso wurde beim vorderen Differenzial ein Ölwechsel vorgenommen.



Eine kurze Probefahrt durch die Strassen in der Nähe der Werkstatt verlief erfolgreich, obwohl immer noch leise ein ungewöhnlicher Ton wahrnehmbar war. Sollte dieser vom Verteilergetriebe kommen wäre es laut telefonischer Aussage der Schweizer Werkstatt nicht tragisch.




Also schlossen wir die Reparatur ab, Albrecht bezahlte den Mechaniker und wir machten uns auf eine kleine Test-Tour Richtung des grossen Salzsees im Nord Westen von Douz. 

In einem kleinen Dorf namens Al Fawar fanden wir ein einfaches Restaurant, denn wir waren beide hungrig. Obwohl das Restaurant mit Pizzeria angeschrieben war, gab es gar keine Pizza. Stattdessen bestellten wir ein Gericht, dass wie eine reichhaltige belegte Pide aussah und sehr gut schmeckte.





So gestärkt fuhren wir noch weiter, um in einem Bogen zurück nach Douz zu gelangen. In dieser Gegend liegt der Grundwasserspiegel knapp unter der Oberfläche, was erklärt das stellenweise sehr viele Dattelpalmen wachsen. Es ist wohl auch der Grund, warum etwas nördlich in einer leichten Senke ein riesiger Salzsee entstanden ist. Das Grundwasser, dass dort an die Oberfläche gelangt, verdunstet in der Wüstenhitze und lässt das darin gebundene Salz zurück.


Zurück auf dem Campingplatz kostete ich die Datteln, welche unglaublich gut schmecken. Da Albrecht keine grosse Lust auf sie hat, werde ich die 2 kg wohl selber essen und frage mich, ob es gesundheitlich bedenklich ist, so viele dieser leckeren Früchte zu sich zu nehmen. Ich hoffe es nicht. 

Auch die Mandarinen sind sehr gut und sie schmecken so wie Mandarinen in meiner Jugend geschmeckt haben. Das letzte Mal ass ich solch ursprünglich schmecken Mandarinen in Indien.

Abgerundet wurde mein Vitaminbooster durch einen Granatapfel, wie ich ihn noch selten gehabt hatte. Schlicht grossartig.


Gegen Abend kam Haitham zu uns auf den Campingplatz und wir besprachen die Wüstentour, die wir gerne unternehmen würden. Zwei Nächte, im Sand fahren, die Wüste erleben und fein essen sind die Eckpunkte. Wenn alles klappt fahren wir übermorgen mit Haitham auf dieses Abenteuer in den Süden. Ich freue mich darauf und hoffe auch ein wenig am Steuersitz zu können, wenn wir abseits von Strassen und Pisten im Sand fahren werden.

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