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Montag, 3. November 2025

2. November 2025. Genua - Tunis

Die Nacht auf der Fähre, in den sogenannten Komfortsitzen war nicht sehr komfortabel. Das mag einerseits an den Sitzen liegen, andererseits könnte es auch gut sein, dass es an meinem Alter und der damit verbunden verminderten Toleranz gegenüber widrigen Konditionen liegt.



Ich wachte also, für meine Verhältnisse relativ früh, bereits um 6:30 Uhr auf und musste mich danach einige Zeit auf das aufrechte Sein und Gehen vorbereiten. 



Zum Frühstück genoss ich einen sehr guten Espresso. Einen Teil des Morgens verbrachten Albrecht und ich mit Erzählungen und Schilderungen vergangenen Reisen. 


Irgendwann, als Albrecht gerade nicht anwesend war, gesellte sich ein sympathischer, älterer Tunese zu mir auf dem Achterdeck, wo sich die Raucherzone befand. Schnell kamen wir ins Gespräch, denn er sprach fliessend Deutsch. Wie sich herausstellte lebte er seit einigen Jahrzehnten in der Gegend von Basel und hatte dort in mir bekannten Restaurants gearbeitet. Zu meinem Erstaunen ist er der Onkel des weltbekannten Fussballers Samy Khedira. Wir erzählten uns von unseren Erlebnissen und Erfahrungen in meiner Heimatstadt.

Mir brannten einige Fragen zu unserer Reise durch Tunesien auf der Zunge. Eine der für mich wichtigsten Angelegenheiten war, wie, wo und welche SIM-Karte ich für die Verbindung zur Heimat erstehen sollte. Herr Khedira verschafft mir Klarheit. 

Wirklich interessant und hilfreich wurde es, als er uns anbot, uns bei den Zoll-Formalitäten während der Überfahrt zu helfen. Also gingen wir mit ihm zusammen zwei Stockwerke tiefer zu den Zoll-Schaltern. Es schien, als ob er alle Angestellten kante, denn er begrüsste sie alle freundlich und in meinen Augen sehr persönlich. Trotz der Schlangen von wartenden Reisenden wurden wir bei jedem Schalter bevorzugt behandelt. Alle Formalitäten konnten wir innert kurzer Frist erledigen und waren somit perfekt für die Einreise in Tunesien gewappnet.


Stolz, mit den korrekten Papieren in der Hand, begaben wir uns wieder in die Raucherzone im elften Stock, wo uns Herr Khedira vieles über die Geschichte der nordafrikanischen Staaten erzählte. Es war ein unglaublich schönes und interessantes Gespräch, dass uns mit vielen tiefgründigen Informationen beflügelte.


Nachdem unsere Wege sich auf dem Schiff aufgrund anderer Verpflichtungen getrennt hatten, reflektierten Albrecht und ich in längeren Gesprächen die eben erfahrenen Dienste und Informationen. 


Mittlerweile war Mittags– und Essenszeit und zur Feier des Tages lud ich Albrecht zum Essen im bedienten Restaurant an Bord ein. Auf dem Menü stand nach einem tunesischen gemischten Salat das landestypische Couscous. Wir erhielten eine doch recht grosse Schale dieses feinen Gerichts und labten uns an den leckeren Köstlichkeiten.



Der Nachmittag auf dem Raucherdeck verging relativ schnell, derweil das Meer unter unserer Fähre dahin floss. So kamen wir unserer Destination immer näher, während die Fähre eine gute sichtbare Spur im salzigen Wasser hinterliess. Gegen 14 Uhr konnten wir die Konturen des tunesischen Festlandes in der Ferne erkennen. Die Hügel und Berge kamen immer näher und bald konnten wir Einzelheiten erkennen – damit stieg die Erregung und Freude auf den Landgang erheblich. Aber, obwohl wir nur wenige Dutzend Kilometer von Tunis entfernt waren, dauerte es noch einige Zeit, bis die Stadt und ihr Hafen deutlich erkennbar wurden.





Dann ging alles sehr schnell. Die Einfahrt in den Hafen, die ich vom Oberdeck beobachtete, das Anlegen, das Warten auf die Öffnung der Garage und die den Moment, bis der Motor gestartet werden konnte, lösten sich gefühlt im Sekundentakt ab.

Im Gegensatz zu der Situation des Entladens in Genua gestaltete sich der ganze Prozess in Tunis reibungslos und sehr kurzweilig. Dank der Hilfe Herrn Khediras und der richtig guten Organisation benötigten wir weniger als eine Stunde, um abgefertigt auf das tunesische Festland fahren zu können. Was für eine Freude!


Wir fackelten nicht lange, sondern machten uns sogleich auf den Weg zu einer Tankstelle in der Nähe, die Albrecht als mit einem Bankomaten ausgerüstet erkundet hatte. Der Bankomat funktioniert zwar nicht, aber zwei so alten Säcken wir es sind wird schnell geholfen: eine weibliche Putzkraft verwies uns an den Kiosk, wo ein sympathischer junger Mann uns 100 Dinar über das Kartenlesegerät besorgt. Das sind etwa 27 Fr.


Tunesische Abendsonne südlich des Hafens

Danach starteten wir unsere erste Fahrt auf tunesischem Boden in Richtung des einfachen Camping les Jasmins in der Gegend der Stadt Hammamet. Da es bereits dunkel war und wir uns noch nicht an den hiesigen Verkehr gewöhnt hatten, verlief die Fahrt zwar reibungslos aber mit ein paar kleinen Schreckmomenten. Manchmal schien es so, als ob die lokalen Automobilisten weder Verkehr noch ihr eigenes Fahrzeug wirklich im Griff haben. Dem war natürlich nicht so, sondern es lag eher an unserer Gewöhnung mit der Erfahrung des sehr geordneten schweizerischen Strassenverkehrs.


Beim Campingplatz, der mitten in bebautem Gebiet liegt, angekommen, stellten wir den Land Rover ab und begaben uns zur Rezeption zwecks Bezahlung der Standgebühren. Diese betrugen 35 Dinar, was etwa zehn Franken entspricht. Sehr zufrieden über den für unsere Verhältnisse geringen Betrag setzten wir uns im angrenzenden Restaurant an einen Tisch und bestellten ein Erfolgs- und Begrüssungswortbier. Schnell stellte sich heraus, dass die Angestellten des Restaurants aufgrund der vielen Kontakte mit treuen deutschen Touristen sehr gut Deutsch sprachen. So verbrachten wir einen angenehmen ersten Abend in Tunesien und freuen uns auf die Abenteuer, die uns in den nächsten Tagen und Wochen erwarten.



Ob es heute mit dem Einbinden von Fotos in den Blog dank hilfreicher Tipps meines Bruders klappen wird, wird sich gleich zeigen. Sollte dem nicht so sein, musst du ein wenig Geduld aufbringen, bis ich hoffentlich morgen eine tunesische Simkarte besitze. Dafür hat es nämlich heute nicht gereicht, sondern ich muss mit dem hoteleigenen WLAN Vorlieb nehmen, das relativ schwach ist und mir eine Verbindung zwischen iPhone und Computer nicht erlaubt.


Wie auch immer: ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche und freue mich schon, morgen aus dem Süden Tunesiens, aus Douz, Neues zu berichten.

1 Kommentar:

  1. Erst einmal ...super und bis dato sehr interessant geschriebener Blog mit herrlichen Fotos....weiter so!

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