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Samstag, 8. November 2025

 8. November 2025. Tembaïne - Ksar Ghilane

Zwei Dinge gleich vorweg.


Albrecht ging’s heute schon viel besser - noch etwas geschwächt aber mit Tatendrang.


Bei den Fotos von gestern hat sich ein Staubkorn auf den Sensor geschummelt: die meisten haben am oberen Rand in der rechten Hälfte einen doofen Fleck, den wegzuretuschieren mir hier einfach zu viel ist. Ich hoffe, das trübt die Freude an den Fotos nicht. Heute Morgen habe ich das Problem mit dem eigens dafür mitgenommenen kleinen Fotoblasebalg behoben.

Der Tafelberg von einer anderen Seite


Nach dem kurzen Frühstück (Albrecht und ich machen das wie schon erwähnt sehr speditiv) drängte Haitham zur Abfahrt, damit wir es ruhig angehen können und sicher vor Sonnenuntergang in Tsar Ghilane, einer Oase im Osten des Nationalparks, ankommen.

Wieder viel Sand - eine Freude!


Das Fahren ging nach dem Übungstag gestern in meiner Wahrnehmung einiges flüssiger. Vor allem die sandigen Abschnitte meisterte Albrecht wie wenn er es schon immer getan hätte. Ich staunte ob der Nonchalance, mit der er teilweise zwei Meter hohe Dünen auf den Pisten mit Leichtigkeit nahm. Da geht es nämlich richtig steil bergauf und man weiss nicht, wie es auf der anderen Seite aussieht, kann aber nicht einfach auf dem Kamm anhalten um sich die Sache in Ruhe anzusehen. Man würde festsitzen und schlimmstenfalls mit dem Rahmen zwischen Vorder- und Hinterachse aufliegen. Das wäre der dümmste Fall, denn die Reifen hätten dann keinen Grip mehr und das Fahrzeug liesse sich nicht mehr bewegen. Schaufeln wäre im besten Fall die Alternative. Wenn’s ganz schlimm käme, müsste fremde Hilfe herbeigezogen werden, denke ich.

Ein Kleinlaster, der vor einem Jahr steckengeblieben ist.
Die Bergungskosten übersteigen den Wert der alten Mühle.


Auch heute wechselten sich sandige und steinige Passagen ab. Auf den steinigen, holprigen Streckenabschnitten konnten, resp. mussten wir wenn möglich relativ schnell (zwischen 60 und 70 km/h) fahren, um nicht jeden Hubel ausfahren zu müssen und zu spüren. Ab und zu hatte es auch Wellblech-Bereiche, die aber minimal waren im Gegensatz den denjenigen die ich auf der Hochebene bei Chorug auf dem Pamir-Highway in Tadschikistan erlebt hatte. Hier ist auch viel weniger Verkehr und vor allem hat es keine großen LKWs, die mit ihrem Gewicht und den grossen Rädern die Situation hätten verschlimmern können.

Sandmeer mit vielen Wellen


Unsere Route führte zuerst fast identisch auf der Strecke zurück, auf der wir am Vortag gekommen waren. Haitham wählte aber sehr geschickt Pisten aus, die wir nicht kannten. Dies war notwendig, weil wir nicht die Zeit hatten, den grossen Wüsten-Nationalpark im Süden zu umfahren. Südlich von Douz hielten wir uns dann ostwärts, immer scharf am Grenzzaun zum Park. Teilweise konnten wir für kurze Abschnitte die alte Teerstrasse benutzen, was aber wegen der Schlaglöcher nicht viel bequemer war als die Schotterpiste. Ausserdem ist wie bereits gestern geschrieben diese Strasse meist mit kleinen und grösseren Dünen überzogen. Da muss man dann neben der Trasse fahren.


Immer wieder wunderten wir uns, wie unser Guide ganz genau wusste, welche der vielen Spuren er nehmen sollte und es kam uns nicht selten so vor, als kenne er die Tiefe jedes einzelnen Schlaglochs und die Höhe jeder noch so kleinen Düne.


Ein kurzer Halt im Café du Parc unterbrach die Fahrt - sonst sassen wir die ganzen rund vier Stunden im Landy. Ich war übrigens die ganze Zeit über auf dem Beifahrersitz, denn ich wollte ohne Geländeerfahrung nicht riskieren, den Land Rover im Sand fest zu setzen oder schlimmer noch irgendeinen Schaden zu verursachen. Ich hatte zwar kein Roadbook wie die Beifahrer auf den Rallyes haben, verrichtete aber einige hilfreiche Tätigkeiten zur vollsten Zufriedenheit des Fahrers. Dazu gehörten die Versorgung mit Getränk und Zigaretten, Angabe der Himmelsrichtung, Hinweise auf grosse spitzige Steine, die einen Reifen beschädigen könnten oder auf sehenswerte Geländepunkte und Gegenverkehr. Und ich machte Fotos. Das war gar nicht so einfach, denn bei den teils heftigen auf und ab-Bewegungen, die uns der Track aufdrängte, war das einigermassen ruhige Halten der Kamera gar nicht so einfach. Wegen der Heizdrähte in der Frontscheibe und den Fliegen auf deren Aussenseite musste ich meist von Hand fokussieren und dann noch im richtigen Moment abdrücken. Im Nachhinein sehen viele Fotos sehr ähnlich aus, obwohl ich darauf achtete, möglichst spezielle Situationen festzuhalten. Vieles lässt sich mit der Kamera längst nicht so gut festhalten wie es von blossem Auge aussieht.

Café du Parc
Café mit schöner Aussicht


Der blaue Kat (MAN gl), den wir von der Fähre kennen




Mit den Fotos von Landschaften bin ich nicht sehr zufrieden, denn aus dem fahrenden Fahrzeug hinaus lassen sich Landschaften nicht wirklich gut festhalten. Es sind eher Domumentationsaufnahmen denn Landschaftsfotografien. Für solche sucht sich der gewiefte Fotograf nämlich zur richtigen Zeit (wegen des Sonnenstands und des damit verbundenen Lichts und Schattens) den perfekten Standpunkt und teilt seine Foto in einem stimmigen Aufbau auf. Deshalb sieht man oft Landschaftsfotografen mit dem Stativ auf den richtigen Zeitpunkt warten.

Immer wieder Tafelberge


Ausserdem ist das Abbild, das die Kamera macht kaum mit dem Eindruck, den wir von bloßem Auge haben, vergleichbar. Wir können den Blick schweifen lassen, die Kamera pickt einen Ausschnitt heraus, der dann einen ganz anderen Eindruck vermittelt.

Oase Ksar Ghilane


Kurz nach Mittag kamen wir bereits in der Oase Tsar Ghilane an. Sie liegt unmittelbar neben der alten Rümerfestung Tisavar, auf deren Ruinen die Franzosen viele Jahrhunderte später ebenfalls eine gemauerte Festung erbauten. Da wir später noch einiges an römischen Ruinen sehen werden, schauen wir uns diese nicht an.

Standplatz in Ksar Ghilane

In einem Camp am Rand der kleinen Oase (400 x 200 m) hat uns Haitham im «Sahara Lounge Campement» einquartiert, wo wir im grosszügigen Restaurant das Mittagessen einnahmen. Er verabschiedete sich danach und wir stellten den Land Rover auf einen hinter den fix aufgestellten Zelten auf einen Platz.


Auch Touristen ohne eigenes Fahrzeug wollen Spass im Sand.


Einige bringen ihr eigenes Spassfahrzeug mit


Während Albrecht eine Siesta hielt, erkundete ich zu Fuss die Oase, die mich vor allem mit ihrer Quelle beeindruckt hat. Dort kann man baden, würde dabei aber von den Gästen aller Restaurants und Bars, die um die Quelle liegen, beobachtet. Wir sind beide nicht die grossen Wasserratten, also ist das auch nicht schlimm.

Ein Tor zur Wüste



Quelle in der Oase


offene Wasserleitung
Strasse in Ksar Ghilane

Auf Reisen stellt sich bei mir immer die Frage nach den Mitbringseln für Familie und Liebste. Mit vier kleinen Sandrosen habe ich zumindest für die drei Lärm machenden und das noch ungeborene vierte etwas gefunden, das zwar nicht spektakulär aber dafür speziell ist.

Dattelpalmen

Jetzt gibt’s dann bald etwas zwischen die Kiemen und danach finden wir hoffentlich eine Bar, die uns Bier verkauft. Das ist hier gar nicht so einfach, denn die meisten verkaufen keinen Alkohol. Wir werden heute bestimmt auf unsere Freunde im Café Flore anstossen, die wir - wie unsere Liebsten und Familien - vermissen.

Die Wüste ist ein riesiger Sandkasten für grosse Jungs: Wettrennen auf Schotter

Und wir werden unser grossartiges Abenteuer in der Sahara Revue passieren lassen.


Reste der alten Teerstrasse

Endlich ist Überholen wieder erlaubt!

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